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queerestqueer

Frage bzgl. Studie

Beitrag von queerestqueer » Mi 13. Jun 2018, 17:59

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe eine Frage zu einer Studie von 2016, die unter anderem Ihr Therapieprojekt bespricht, und würde mich freuen, wenn Sie mir sagen könnten, wie Sie über die Aussagen der Studie zu Ihnen denken.

Die Studie, um die es mir dabei geht, ist "Self-Identifications, Sexual Development, and Wellbeing in Minor-Attracted People: An Exploratory Study" (Selbst-Identifizierungen, Sexuelle Entwicklung und das Wohlsein von sich zu Minderjährigen hingezogen fühlenden Personen) von Brian Martin Cash.

Im Besonderen würde ich mich freuen, wenn Sie mir Ihre Gedanken zu folgendem Zitat der Studie sagen könnten:

"[E]ven the more progressive treatment programs, such as Prevention Project Dunkelfeld, insist upon trying to persuade minor-attracted people to wholly reject the notion that sex between adults and children could ever be anything but harmful. The rationale is that this will make minor-attracted people less likely to act on their sexual desires, but there is limited evidence to support this notion (Beier et al., 2015).

Given that this approach seems likely to reduce the minor-attracted person’s self-esteem, who is this therapy truly meant to serve, the patient or society? Up until this point, it seems therapists have convinced themselves they were serving the needs of both parties with this approach. But this apparent contradiction will require them to make a choice about serving a perceived social need, by attempting to reduce the minor-attracted person’s likelihood of committing a sexual offense, or serving the mental health needs of their minor-attracted patients.

Perhaps there is a middle ground wherein therapists could emphasize the potential for harm in the current social and legal environment without implying that the minor-attracted person’s desires are inherently wrong and harmful in all contexts. The voices of minor-attracted people are often ignored in this therapeutic process, so very little is known about what aspects of therapy they personally find helpful."


Übersetzung:

"Selbst die fortschrittlicheren Therapie-Projekte, wie z.B. das Präventionsprojekt Dunkelfeld, bestehen darauf, dass pädophile und hebephile Menschen vollständig die Idee ablehnen, dass Sex zwischen Erwachsenen und Kindern jemals etwas anderes als schädlich sein könnte. Der Gedanke hierbei ist, dass es dadurch unwahrscheinlicher wird, dass pädophile und hebephile Menschen ihre sexuellen Gefühle ausleben. Allerdings gibt es nur unzureichende Belege, um diese Annahme zu stützen (siehe Beier et al., 2015).

Angesichts dessen, dass diese Herangehensweise vermutlich dass Selbstwertgefühl von pädophilen und hebephilen Menschen verringert, stellt sich die Frage, wem diese Therapie tatsächlich nutzen soll. Bis jetzt scheint es, als ob Therapeuten sich selbst davon überzeugt haben, sie hälfen den Bedürfnissen aller Beteiligten mit ihrer Herangehensweise. Aber dieser klare Widerspruch wird sie dazu zwingen, eine Wahl zu treffen, ob sie ein wahrgenommenes soziales Bedürfnis erfüllen, indem sie versuchen die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass pädophile und hebephile Menschen Gesetze brechen, oder ob sie ihre pädophilen und hebephilen Patienten in Bezug auf ihre mentale Gesundheit unterstützen.

Vielleicht gibt es einen Kompromiss, welcher daraus besteht, dass Therapeuten den möglichen Schaden im heutigen sozialen und gesetzlichem Klima betonen, ohne zu implizieren, dass die Wünsche pädophiler und hebephiler Menschen in allen Kontexten falsch und schädlich wären. Die Stimmen pädophiler und hebephiler Menschen werden in diesem therapeutischen Fortschritt oft ignoriert, weshalb wenig darüber bekannt ist, welche Aspekte einer Therapie sie persönlich hilfreich finden."


Quelle: Self-Identifications, Sexual Development, and Wellbeing in Minor-Attracted People: An exploratory Study , Seite 43f, Cornell University, https://ecommons.cornell.edu/bitstream/ ... sAllowed=y

Die Studie kann kostenlos online über den oben angegebenen Link gelesen werden.

Zusammengefasst findet die Studie starke Hinweise dafür, dass was pädophile und hebephile Menschen über Beziehungen und Sex zwischen Erwachsenen und Kindern denken, im Zusammenhang mit ihrem Selbstwertgefühl steht. Dabei haben pädophile und hebephile Menschen, die glauben, dass in einer Gesellschaft, in der diese Beziehungen akzeptiert würden, sie niemandem schaden würden, ein höheres Selbstwertgefühl als solche, die glauben, ihre Gefühle könnten niemals auf eine unschädliche oder gute Weise durch Sex und Beziehungen ausgedrückt werden.

Als Erklärung für diesen Zusammenhang gibt die Studie auf Seite 42f Folgendes an:

"It is well established that internalized homophobia is correlated with lower self-esteem in sexual minorities (Herek et al., 1997). This finding also helps to explain a finding from Prevention Project Dunkelfeld, a German program that provides therapy for self-identified pedophiles, that showed their patients had lower self-esteem after treatment than before (Beier et al., 2015)."

Übersetzung:

"Es ist bekannt, dass für Angehörige sexueller Minderheiten verinnerlichte Homophobie im Zusammenhang mit niedrigerem Selbstwertgefühl steht (siehe Herek et al., 1997). Dies hilft auch dabei, ein Ergebnis des Präventionsprojekts Dunkelfeld zu erklären, ein deutsches Projekt, das Therapie für selbst-identifizierende Pädophile anbietet, welches zeigt, dass dessen Patienten geringeres Selbstwertgefühl nach ihrer Therapie hatten als davor. (siehe Beier et al., 2015)"

Deshalb empfiehlt die Studie auf Seite 33:

"[Therapists] should also take care to be nuanced in their approach to their minor-attracted clients’ attitudes about sex between adults and children. Encouraging their minor-attracted clients to adopt the belief that sex between adults and children is inherently harmful in all contexts could be damaging to the minor-attracted person’s self-esteem. Researchers seeking to design and evaluate therapies for minor-attracted people should also incorporate this information into their approach."

Übersetzung:

"Therapeuten sollten auch darauf achten, nuanciert in ihrer Herangehensweise in Bezug auf die Einstellungen ihrer pädophilen und hebephilen Patienten über Sex zwischen Erwachsenen und Kindern zu sein. Ihre pädophilen und hebephilen Patienten dazu zu ermutigen, zu glauben Sex zwischen Erwachsenen und Kindern sei grundsätzlich in allen Kontexten schädlich, könnte sich negativ auf das Selbstwertgefühl pädophiler und hebephiler Menschen auswirken. Forscher die Therapien für pädophile und hebephile Menschen erstellen und bewerten möchten, sollten auch diese Information in ihre Herangehensweise mit einfließen lassen."

Denken Sie, die Ergebnisse dieser Studie könnten dabei hilfreich sein, ihr Therapieangebot zu verbessern?

Mit freundlichen Grüßen,

queerestqueer

KTW - Standort Berlin
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Beitrag von KTW - Standort Berlin » Mi 13. Jun 2018, 18:23

Hallo queerestqueer,

aus unserer Sicht kann einvernehmlicher Sex zwischen Erwachsenen und Kindern nicht stattfinden - dazu gibt es viele deutliche Hinweise aus verschiedenen Fachdisziplinen. Therapieinhalt ist es, dies unseren Teilnehmern auch zu vermitteln - wobei gesagt werden muss, dass dies den meisten Teilnehmern bereits bewusst vorher bewusst ist. Häufig entsteht Leidensdruck durch dieses Bewusstsein. Wir sehen keinen Widerspruch in den beiden übergeordneten Zielen unserer Therapie, die zum einen den betroffenen Teilnehmern ein adäquates Leben ermöglichen soll und zum anderen sexuelle Handlungen an Kindern unmittelbar und mittelbar verhindern soll, sondern sehen dies eher komplementär.

Was Leidensdruck und Einstellung angehen, so können wir keine allgemein gültigen Regeln aufstellen, sondern müssen diese immer im Einzelfall erarbeiten und bearbeiten.

Herzlich
KTW

queerestqueer

Beitrag von queerestqueer » Mi 13. Jun 2018, 18:37

Vielen Dank für Ihre Antwort.

"Therapieinhalt ist es, dies unseren Teilnehmern auch zu vermitteln "

Könnten Sie mir erklären, wieso? Laut der Studie keine Anhaltspunkte dafür, dass die Meinung, bestehende Gesetze sollten geändert werden, die Wahrscheinlichkeit erhöhen würde, dass eine Person Straftaten begeht.

"Was Leidensdruck und Einstellung angehen, so können wir keine allgemein gültigen Regeln aufstellen, sondern müssen diese immer im Einzelfall erarbeiten und bearbeiten."

Das scheint ein Schritt in die richtige Richtung aus Schritt der oben zitierten Studie zu sein. Vereinfacht gesagt, empfiehlt die Studie lediglich, dass niemandem eine bestimmte Meinung vorgegeben werden sollte und das scheinen Sie wenn ich Ihre Aussage richtig verstehe zu akzeptieren.

Mit freundlichen Grüßen,

queerestqueer

Ruu

Beitrag von Ruu » Mi 13. Jun 2018, 18:47

Sie haben die Frage nicht beantwortet. Bitte beantworten Sie die Frage!

Dieter Gieseking

Beitrag von Dieter Gieseking » Mi 13. Jun 2018, 18:50

Wenn KTW sich auch nur ansatzweise Positionen der möglichen Einvernehmlichkeit näher würde, dann ist das Projekt dem Ende nahe. Denn KTW ist nicht frei, sondern abhängig von den Geldgebern bzw. jetzt von der Krankenkasse. Und muss sich dem Gesetzgeber und in Folge der Justiz beugen. Diese Problematik kann im gegenwärtigen Zeitgeist nicht behoben werden. Nur deshalb: Besser KTW als NIX!!
mfg Dieter Gieseking

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Beitrag von KTW - Standort Berlin » Mi 13. Jun 2018, 20:05

Ein schönes Schlusswort. Allen noch einen schönen Abend.

KTW - Standort Berlin
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Beitrag von KTW - Standort Berlin » Do 14. Jun 2018, 10:15

KTW - Standort Berlin hat geschrieben:
Mi 13. Jun 2018, 20:05
Ein schönes Schlusswort. Allen noch einen schönen Abend.
"Ein schönes Schlusswort" bezog sich natürlich lediglich auf den Schluss von Herrn Giesekings Text: "Nur deshalb: Besser KTW als NIX!!"

Der Rest davor ist das übliche konstruierte Erklärungsmodell. Sie dürfen uns sicher eine eigene, von Geldgebern unabhängige Meinung zutrauen. In diesem Zusammenhang noch einmal der Verweis auf das von Ihnen mit Christoph J. Ahlers geführte Interview: http://www.krumme13.org/text.php?s=read&id=314

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